Krohn, Henriette

Krohn, Henriette 
52 Jahre | Bibliothekarin

Kommunalpolitik? Ich?

2008 klingelte Hermann Ahrens an der Haustür – eine halbe Stunde später stand ich auf der Kandidatenliste für die nächste Kommunalwahl. Worauf hatte ich mich eingelassen? „Kommunalpolitik? Oh weh! Bau-Ausschuss, Umwelt-Ausschuss, Finanzausschuss? Ich und Finanzen? Und wer soll mich überhaupt wählen? “ Ich hatte mich tatsächlich nie zuvor irgendwo zur Wahl gestellt und jetzt gleich vor 2200 Menschen? Starker Tobak. Die Wahlvorbereitung mit meinen zukünftigen Kollegen relativierte dann die Panik zum Glück sehr bald. Gerade die „alten Hasen“ im Geschäft machten schnell deutlich, dass es nicht darum geht, in der Öffentlichkeit wie ein Staatschef aufzutreten, sondern um das gewissenhafte Ehrenamt, also eigentlich eine Dienstleistung. Damit konnte ich mich schon viel eher identifizieren. Mein Elternhaus im kleinen Seppenrade bei Münster hat mir früh zu verstehen gegeben, dass ein Engagement in der Dorfgemeinschaft mehr gibt, als es nimmt. Auch in Tangstedt hatte ich diese Erfahrung schon gemacht. Unmittelbar, nachdem ich 1992 bei meinem Mann in der Baumschule Krohn angekommen war, half mir das Engagement im DRK-Ortsverein der Gemeinde, Bekanntschaften zu machen und mich bald heimisch in der neuen Umgebung zu fühlen. 2003 beerbte ich Rosel Becker als Leitung der örtlichen Gemeindebücherei. Endlich  konnte ich mein Wissen als studierte Bibliothekarin anwenden, ohne als Mutter Vollzeit arbeiten zu müssen – möglich durch das Ehrenamt. Dass ich letztendlich Bürgermeisterin werde, hätte ich mir niemals vorstellen können, als es 2008 an der Tür klingelte. Als es dann doch ernst wurde, waren es wieder meine Kollegen, die mich ermutigten, den Schritt zu wagen. Und tatsächlich, man wächst mit seinen Aufgaben. Nach drei spannenden Jahren Amtszeit mit toller Unterstützung von allen Seiten kann ich selbstbewusst sagen: „So macht Politik Spaß, ich möchte weitermachen!“